Partizipation im Kindergarten: Von Anfang an Demokratie leben

Sechs aufmerksame Kinder sitzen gemeinsam mit einer Erzieherin im Kreis.
Autorin: Natascha Faulhaber
Artikel veröffentlicht am: 16.01.2026
Als Erzieherin oder Erzieher stehst Du täglich vor der Aufgabe, Kindern Geborgenheit und Struktur zu geben. Gleichzeitig begleitest Du sie dabei, wichtige soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Dazu gehört auch, sie auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Genau hier setzt die Idee der Partizipation im Kindergarten an. Sie bedeutet, dass Kinder ihren Alltag aktiv mitgestalten und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Partizipation im Kindergarten ist dabei kein „Extra“, sondern ein fest verankertes Kinderrecht in Deutschland. Dieser Artikel zeigt Dir praxisnah, wie Mitbestimmung im Kita-Alltag funktioniert, welche Chancen sich daraus für die Entwicklung der Kinder ergeben – und wie Du mit klaren Methoden und Konzepten demokratische Bildung von Anfang an lebendig umsetzen kannst.
Demokratiebildung in der Kita - Dürfen Kinder jetzt alles entscheiden?
Unsere Empfehlung
Demokratiebildung in der Kita - Dürfen Kinder jetzt alles entscheiden?Erfahre, wie Du Kinder aktiv in Entscheidungen einbeziehst. Lerne, wie Du demokratische Werte vermittelst und Partizipation gezielt im Kita-Alltag lebst.
267,75 €

Was bedeutet Partizipation im Kindergarten?

Bei der Partizipation im Kindergarten geht es darum, dass Kinder in Deiner Einrichtung aktiv an Entscheidungen beteiligt werden, die sie selbst betreffen. Sie dürfen ihre Meinung äußern, Vorschläge machen und erleben, dass ihre Stimme zählt. Mitgestaltung im Kindergarten bedeutet also Mitbestimmung, Teilhabe und die Erfahrung, ernst genommen zu werden – von Anfang an. Kinderrechte im Kindergarten verpflichten Dich und Dein Team dazu, Kinder einzubeziehen. Die UN-Kinderrechtskonvention gilt auch in Deutschland verbindlich und verankert das Kinderrecht der Partizipation. Damit ist die Beteiligung von Kindern ein gesetzlicher Auftrag, nicht nur ein pädagogisches „Kann“. Damit Partizipation im Kindergarten gelingt, braucht es diese 5 Prinzipien: 
  • Transparenz – Erkläre den Kindern altersgerecht, worum es geht. Mach Entscheidungen für sie nachvollziehbar. Ziel: Die Kinder verstehen Zusammenhänge und entwickeln Vertrauen in Prozesse. 
  • Freiwilligkeit – Biete Beteiligung als Möglichkeit an, ohne Druck. Ziel: Die Kinder erleben Selbstbestimmung und lernen, ihre Stimme dann einzubringen, wenn sie es möchten. 
  • Ernstnehmen – Höre den Kindern aktiv zu und beziehe ihre Ideen in Entscheidungen ein. Ziel: Die Kinder erfahren Wertschätzung und entwickeln Selbstwirksamkeit. 
  • Verlässlichkeit – Halte gemeinsam getroffene Vereinbarungen konsequent ein. Ziel: Die Kinder merken, dass ihre Mitbestimmung Wirkung hat und Verbindlichkeit Vertrauen schafft. 
  • Gemeinsame Verantwortung – Mache deutlich, dass Entscheidungen auch Folgen haben (z. B. wenn Spielregeln vereinbart werden). Ziel: Die Kinder übernehmen Verantwortung und üben demokratisches Handeln im Alltag.
 (Quelle: Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) Genauso wichtig ist es, die Grenzen der Partizipation im Kindergarten klar zu definieren. Du kannst nicht alle Wünsche erfüllen, denn Dein Schutzauftrag und die Sicherheit der Kinder stehen an erster Stelle. Ein Beispiel: Kinder dürfen mitbestimmen, wie ein Raum dekoriert wird, aber nicht, ob Steckdosen abgedeckt werden. Diese Klarheit schützt Kinder und gibt Dir zugleich eine sichere Basis für Mitbestimmung.

Methoden & Formen der Partizipation im Kita-Alltag

Formen der Mitgestaltung im Kindergarten können sehr unterschiedlich aussehen – von kurzen Abstimmungen im Morgenkreis bis hin zu einem Kinderparlament in der Kita, das regelmäßig tagt. Entscheidend ist, dass Kinder erleben: Ihre Meinung verändert wirklich etwas. Eine besonders bewährte Methode sind Kinderkonferenzen im Kindergarten. Hierbei setzt Du Dich mit den Kindern zusammen und sprichst über Themen, die für alle wichtig sind. Damit eine Gesprächsrunde mehr ist als nur ein Austausch von Meinungen, braucht es eine klare Struktur.  In der Praxis kann das so aussehen:
  • Begrüßung und Benennung des Themas
  • Sammlung von Vorschlägen
  • Diskussion über Vor- und Nachteile
  • Abstimmung mit einfachen Symbolen oder Handzeichen
  • Gemeinsame Vereinbarung
 Gerade für den Einstieg helfen Dir Kinderkonferenzen in der Kita, Ideen zu finden, die sofort im Alltag greifen: Soll heute draußen oder drinnen gespielt werden? Welches Bilderbuch soll gelesen werden? Welche Spielmaterialien kommen in die Bauecke? So erfahren Kinder Schritt für Schritt, wie Mitbestimmung im Kindergarten konkret aussehen kann. Auch der Morgen bietet viele Gelegenheiten. Durch Mitgestaltung im Morgenkreis können Kinder etwa die Lieder mitbestimmen, den Ablauf des Tages mitgestalten oder Fragen einbringen. Hierbei reicht schon eine einfache Abstimmung mit Bildkarten oder Daumenzeichen, damit auch die Jüngsten verstanden werden. Ein weiteres großes Feld ist das gemeinsame Essen. Mitsprache beim Essen in der Kita bedeutet nicht, dass Kinder das komplette Menü festlegen. Aber sie können Vorschläge einbringen, Wünsche äußern oder Regeln am Tisch zusammen beschließen. So entsteht eine Atmosphäre, in der Kinder Verantwortung übernehmen – etwa, indem sie Tischdienste selbst organisieren oder entscheiden, wer neben wem sitzt. Auch die Umgebung an sich lässt sich partizipativ gestalten. Mit Partizipation bei der Raumgestaltung in der Kita ermöglichst Du Kindern, ihren Lern- und Spielraum mitzugestalten. Ein einfaches Beispiel: Die Gruppe stimmt ab, ob die Kuschelecke lieber mit Decken oder Kissen ausgestattet werden soll. Oder Kinder dürfen Bilder auswählen, die an der Wand hängen sollen. Schon kleine Entscheidungen vermitteln: „Wir sind hier zu Hause, unsere Ideen zählen.“ Damit es nicht bei Einzelaktionen bleibt, brauchst Du verschiedene Methoden.  Zu den gängigsten Methoden der Partizipation in der Kita zählen:
  • Abstimmungen mit Steinen, Kärtchen oder Symbolen
  • Ideensammlungen auf Plakaten oder Pinnwänden
  • Gesprächsrunden, bei denen ein Gegenstand anzeigt, wer gerade sprechen darf
  • Umfragen mit lachenden oder traurigen Gesichtern zur Bewertung
 So kannst Du sicherstellen, dass jedes Kind – unabhängig von Alter oder Sprachfähigkeit – Gehör findet. Natürlich gehört auch ein Beschwerdemanagement für Kinder dazu. Kinder sollen die Möglichkeit haben, Kritik zu äußern. Das gelingt mit niedrigschwelligen Mitteln: eine „Meckerkiste“, ein Feedback-Plakat oder feste Gesprächszeiten, in denen die Kinder sagen dürfen, was sie stört. Dadurch lernen sie, ihre Gefühle zu benennen und Konflikte konstruktiv anzugehen. Genau hier setzt auch die Konfliktlösung im Kindergarten an: Kinder sind nicht nur Betroffene, sondern aktiv beteiligt, wenn es um faire Lösungen geht.
Kindergruppe am Basteltisch legt die Hände in der Mitte zusammen – Teamgeste.

Wirkung, Chancen & Umsetzung im Team: Von der Idee zum Kita-Konzept

Wenn Kinder mitentscheiden dürfen, entwickeln sie Verantwortungsbewusstsein, lernen sie, Kompromisse zu schließen, und erleben Selbstwirksamkeit. Genau das sind die größten Vorteile von Mitbestimmung: Kinder merken, dass ihre Entscheidungen zählen – und das wirkt sich positiv auf ihre Kommunikation, ihr Selbstbewusstsein und ihr Sozialverhalten aus. So wird die Kita tatsächlich zur Kinderstube der Demokratie. Hier lernen Kinder, wie Aushandlungsprozesse funktionieren, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und Regeln gemeinsam gestaltet werden können. Das prägt ihr Demokratieverständnis für ihr späteres Leben – eine Chance, die Du nicht unterschätzen darfst. Damit Partizipation kein Zufall bleibt, braucht es ein durchdachtes Konzept. Ein Partizipation-Kita-Konzept sorgt dafür, dass alle im Team an einem Strang ziehen. Dabei geht es um klare Leitlinien: Welche Bereiche sind für Kinder mitbestimmbar? Welche Methoden nutzen wir? Wie sichern wir Verbindlichkeit? Ein gutes Konzept schafft Orientierung und gibt Dir Sicherheit in der Umsetzung. Doch Konzepte allein reichen nicht: 
  • Weiterbildung ist entscheidend, damit alle im Team dieselbe Sprache sprechen. Eine Fortbildung für die Partizipation in der Kita ermöglicht Dir und Deinen Kollegen, neue Methoden kennenzulernen, die eigene Haltung zu reflektieren und konkrete Umsetzungsschritte zu entwickeln. So wird Partizipation gelebter Alltag. 
 
  • Auch Eltern sollten Teil dieses Prozesses sein. Mitsprache der Eltern in der Kita bedeutet, dass Eltern erfahren, wie Mitbestimmung in der Einrichtung gelebt wird und wie sie selbst eine unterstützende Rolle einnehmen können. Das schafft Vertrauen und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kita. 
 
  • Damit Du und Dein Team sicherstellen könnt, dass Partizipation nicht auf der Strecke bleibt, helfen Euch Selbstevaluation und Checklisten. Sie ermöglichen Euch, den eigenen Alltag kritisch zu hinterfragen: Bekommen Kinder wirklich Gehör? Werden ihre Vorschläge ernst genommen? Gibt es feste Strukturen, die Beteiligung absichern? So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. 

Fazit: Mehr als Mitbestimmung – ein Fundament fürs Leben

Partizipation ist ein Kinderrecht und bedeutet, dass Kinder im Alter von 2–6 Jahren aktiv an Entscheidungen in der Kita beteiligt werden. Methoden wie Kinderkonferenzen, Mitbestimmung im Morgenkreis, gemeinsame Essensgestaltung oder die Raumplanung zeigen Kindern, dass ihre Meinung zählt. So entwickeln sie Selbstwirksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und ein frühes Demokratieverständnis.  Grenzen ergeben sich dort, wo Sicherheit und Schutz im Vordergrund stehen. Entscheidend bleibt die Haltung der pädagogischen Fachkräfte: Kinder sind von Beginn an Persönlichkeiten mit eigener Meinung, die ernst genommen werden wollen. Partizipation stärkt das ganze Team. Sie reduziert Konflikte im Alltag, weil Regeln gemeinsam getragen werden. Sie entlastet Fachkräfte, weil Verantwortung geteilt wird. Und sie macht die Kita für Eltern transparenter und vertrauenswürdiger. Wer Partizipation ernst nimmt, legt also nicht nur ein Fundament für die Kinder – sondern für eine stärkere Gemeinschaft im gesamten Kita-Umfeld.
Partizipation in der Kita - Wir entscheiden gemeinsam!
Unsere Empfehlung
Partizipation in der Kita - Wir entscheiden gemeinsam!Lerne, wie Du Kindern echte Mitbestimmung im Kita-Alltag ermöglichst. Entdecke praxisnahe Ideen für Beteiligung, Verantwortung und Selbstwirksamkeit.
410,55 €

Artikel, die Dich ebenfalls interessieren könnten

 
  • Kinderrechte in der Kita: Die UN-Kinderrechtskonvention sagt, Kinder dürfen mitreden und mitbestimmen. Dieser Artikel erklärt die rechtliche Einordnung von Beteiligung und zeigt, wie das im Kita-Alltag geht – z. B. Kinder bei der Spielauswahl mitentscheiden zu lassen.
  • Eine Kinderkonferenz durchführen: Bei einer Kinderkonferenz können Kids sich austauschen und gemeinsam entscheiden – niemand wird übergangen und alle kommen zu Wort. Der Text zeigt, wie Fachkräfte regelmäßige Stuhlkreis-Konferenzen einführen: inklusive Gesprächsregeln und Zeitrahmen.
Meld Dich zum Newsletter an!Verpasse keine neuen Kurse, Rabatte oder Sonderaktionen.