Giraffensprache in der Kita: Kommunikation auf Augenhöhe
Autor: Natascha FaulhaberVeröffentlicht am 21. Juli 2026

Kurzzusammenfassung
- Giraffensprache ist die kindgerechte Version der gewaltfreien Kommunikation (GFK).
- Die vier Schritte (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) geben Dir eine klare Struktur in jeder Konfliktsituation.
- Die Giraffe dient als Symbol für eine empathische Sprache, die durch das Aussprechen von Gefühlen und Bedürfnissen Nähe und Vertrauen schafft.
- Der Wolf dient als Symbol für eine bewertende Sprache, die durch Druck und Vorwürfe Distanz schafft.
- Deine eigene Haltung und Geduld sind wichtiger als die perfekte Technik.
Was bedeutet Giraffensprache in der Kita?
Wer war Marshall B. Rosenberg?
Warum die Symbole Giraffe und Wolf?
- Giraffensprache: Die Giraffe hat einen extrem langen Hals, was ihr einen weiten Blick über das Ganze ermöglicht. Sie behält in einer Konfliktsituation den Überblick. Als Landtier mit dem größten Herzen steht sie für eine Sprache, die von Freude und Vertrauen geprägt ist.
- Wolfssprache: Der Wolf agiert meist aus einer defensiven oder angreifenden Haltung heraus. Er nutzt Vorwürfe und Kritik. In der Wolfssprache geht es oft um Regeln, deren Einhaltung durch Zwang eingefordert wird.
Wolfssprache im Alltag erkennen
Vergleich: Wolf vs. Giraffe im Kita-Alltag

Drei verbreitete Fehlannahmen zur gewaltfreien Kommunikation mit Kindern
Wie funktioniert die Giraffensprache im Alltag mit Kindern?
Ein typisches Beispiel: Das Dilemma am Maltisch
Bewertung der Situation
Die Lösung durch die vier Schritte
- Beobachtung: „Lukas, ich sehe, Du hast das blaue Blatt von Sophias Platz genommen.“ (Du bleibst bei dem, was Deine Augen sehen).
- Gefühl: „Sophia, bist Du jetzt traurig und erschrocken, weil Du Dein Bild noch nicht fertig gemalt hast?“ (Du gibst dem Schmerz im Herzen einen Namen).
- Bedürfnis: „Lukas, brauchst Du auch ein blaues Blatt, weil Du so gerne ein Meer malen möchtest?“ (Du suchst den Grund für sein Handeln).
- Bitte: „Lukas, gib Sophia bitte das blaue Blatt zurück. Wir schauen dann gemeinsam im Schrank nach einem neuen Blatt für Dich.“ (Du bietest eine konkrete Idee zur Lösung an.)
Warum funktioniert diese Vorgehensweise?
- Keine Abwertung: Da Lukas keine Kritik an seinem Charakter erfährt, sinkt sein Konfliktpotential und er bleibt aufnahmebereit.
- Empathie: Sophia fühlt sich in ihrem Kummer gesehen, was ihre Wut sofort mildert und den Raum für eine Einigung öffnet.
- Lernen: Die Kinder erfahren durch Deine Worte, dass es für jedes Problem einen Weg gibt, der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.
- Vertrauen: Du stärkst die Beziehung zu beiden Kindern, indem Du als sicherer Hafen fungierst und auf Zwang verzichtest.
Checkliste: Giraffensprache in Kita-Alltag und Schule implementieren
- Die Geschichte der Giraffe einführen: Erzähle den Kindern eine Geschichte, in der die Giraffe mit ihrem langen Hals und ihrem großen Herzen zeigt, wie sie Konflikte friedlich löst.
- Visuelle Veranschaulichung: Hänge Bilder von einer Giraffe und einem Wolf in Augenhöhe der Kinder auf, um die unterschiedlichen Arten der Kommunikation greifbar zu machen.
- Gefühlskarten nutzen: Verwende Bildkarten, die verschiedene Gefühle zeigen, damit die Kinder lernen, ihre innere Welt in Worte zu fassen.
- Das Giraffentelefon: Installiere zwei Spielzeugtelefone in einer ruhigen Ecke. Wenn ein Streit entsteht, können die Kinder dort „telefonieren“, um sich nacheinander ihre Bedürfnisse mitzuteilen.
- Rituale im Morgenkreis: Nutze eine kleine Giraffen-Handpuppe als Mediator, die bei der täglichen Begrüßung fragt, wie es jedem gerade geht.
Die Rolle der Fachkraft: Haltung vor Technik
- Authentizität statt Perfektion: Es kommt nicht darauf an, die vier Schritte immer fehlerfrei aufzusagen. Viel wichtiger ist, dass Du eine echte Verbindung zu Deinem Gegenüber suchst.
- Geduld mit Dir selbst: Die Umstellung von gewohnten Mustern auf die Giraffensprache ist ein Prozess, der Zeit braucht. Sei gnädig mit Dir, wenn Du doch einmal in die Wolfssprache verfällst.
- Die Macht der Haltung: Wenn Du davon überzeugt bist, dass hinter jedem Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis steckt, verändert das Deine gesamte Ausstrahlung. Du handelst nicht mehr aus einem Gefühl von Druck heraus, sondern aus echtem Interesse am Kind.
- Beziehung vor Erziehung: In der gewaltfreien Kommunikation steht die Beziehung immer im Vordergrund. Wenn die Kinder spüren, dass Du sie nicht verurteilst, wächst das Vertrauen, was die Basis für jede gelungene Kooperation ist.

